Loading...
X

Nicht ohne euch!

„We don’t have a word for the opposite of loneliness, but if we did, I could say that’s what I want in life.

[…]

It’s not quite love and it’s not quite community; it’s just this feeling that there are people, an abundance of people, who are in this together. Who are on your team. When the check is paid and you stay at the table. When it’s four a.m. and no one goes to bed. That night with the guitar. That night we can’t remember. That time we did, we went, we saw, we laughed, we felt.“

Marina Keegan

Ich kann nicht ohne meine Bücher und es bricht mir schier das Herz, wenn ich daran denke, dass alle meine Heiligtümer gerade in einer Box auf dem Dachboden meines Vaters liegen und geduldig darauf warten, irgendwann wieder wertgeschätzt zu werden. Doch umso mehr überkommt es mich, wenn mir durch einen Zufall wieder ein Buch in den Sinn kommt, das mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat.

Marinas Buch, oder viel mehr die Zusammenstellung ihrer Texte durch ihre Eltern, habe ich letzten Sommer im Buchladen in Lampertheim (wieder-)gefunden, weil ich das Bild auf dem Einband erkannt habe. Die Meilensteine der Geschichte der jungen Frau im gelben Mantel sind vermeintlich relativ schnell erzählt: Yale-Studentin, Abschlussrednerin, Verfasserin des oben zitierten Textes… und Opfer eines tödlichen Autounfalls. Aber das, was sie in Worte gefasst hat, kann – und will – ich nicht in einen Satz packen. Das wäre nicht gerecht. Zu sehr haben mich ihre Worte zum Nachdenken gebracht. Damals, und heute.

Auch ich habe mich nach dem Schulabschluss gefragt, wo ich in Zukunft meine Sicherheit, meinen Anker hernehmen werde. Würden wir alle getrennte Wege gehen? Würde ich dann neue Menschen finden, die meine Interessen teilen? Was wäre, wenn ich umziehe? Was wäre, wenn ich nicht umziehe? Gäbe es noch Menschen, die mich bedingungslos unterstützen würden, auch wenn ich Entscheidungen treffe, die Veränderungen beinhalten?

Fast 10 Jahre später, sitze ich nun hier in Brisbane, über 16.000 Kilometer weit entfernt, und habe geschafft, was Marina leider verwährt geblieben ist.
Ja, die Zeiten sind vorbei, in denen ich meine Freunde jeden Tag gesehen habe. Oder bis tief in die Nacht telefoniert habe, weil es ganz wichtige Dinge zu besprechen gab. Oder in denen ich einfach auf mein Fahrrad gestiegen und zum Neurhein gefahren bin.
Und so sehr ich an diese Tage auch voller Melancholie zurückdenke, und wenngleich die Zeit weniger geworden ist, ich durfte mir das Gegenteil von Einsamkeit behalten: meine (engsten, verrücktesten, liebevollsten und wahren) Freunde sind geblieben! Ich habe meine Menschen, mein Team… und wir sitzen immer noch an Lagerfeuern, oder gehen auf Konzerte oder philosophieren über den Sinn des Lebens. Nur eben nicht mehr jeden Tag.

Und egal, wo mich meine Reise auch hinführen mag und welche Ziele ich in meinem Leben noch erreiche, ich gehe meinen Weg – aber nicht ohne Euch! :) Fühlt Euch umarmt!

 


Marinas Text gibt es in voller Länge hier zu lesen… – aber ich empfehle, in den nächsten Buchladen zu gehen und sich das ganze Buch zu besorgen. Es lohnt sich!

KEEGAN: The Opposite of Loneliness